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Beginnen möchte ich mit einer Zeitreise in Zeit des "deutschen Flickenteppichs", der mit der Gründung des deutschen Zollvereins 1834 wenigstens ökonomisch überwunden wurde.
Setzen wir uns in das Zeitalter der industriellen Revolution in Deutschland zurück. Das romantische Tal der Düssel, in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts noch als grünes Ausflugsziel der Düsseldorfer Studenten genutzt, wird Stück für Stück als Steinbruch ausgeschlachtet. Begehrt war der Kalk, der in den nahegelegenen Hochöfen in Hochdahl bei Mettmann eingesezt wurde (vgl. Schmitz, R./Thissen, J. (2000), S.30).
In diesem Steinbruch entdeckten dann italienische Gastarbeiter 1856 die Überreste eines Vorzeitmenschen, dem später weltberühmt gewordenen Neandertaler. In dieser Zeit des ökonomischen Aufbruchs, den "Gründerjahren", sorgten schon vor der Gründung des deutschen Reiches "billige" ausländische Arbeitskräfte für den entsprechenden Schwung. Diese Arbeitergruppen kamen auf freiwilliger Basis in das spätere deutsche Reich.
Die italienischen "Gastarbeiter", wurden meist für Großbauvorhaben wie den Straßen-, Brücken- und Kanalbau eingesetzt.
Diese Arbeitskräfte waren wirkliche Gastarbeiter im damaligen Preussen. Sie arbeiteten hier sehr schwer und meist nur für kurze Zeit. Die Familie blieb, bis auf Einzelfälle, immer zu Hause und die italienischen Arbeiter kehrten meist nach 1-2 Jahren nach Hause zurück, wenn die Projekte beendet waren.
In Nordwestdeutschland wurden aus verschiedenen Ländern Osteuropas für die aufstrebende Woll- und Textilindustrie Gastarbeiter eingesetzt. Diese wurden unter strengem Regiment in kasernenartigen Gebäuden untergebacht (vgl. Barfuss, K. (1986), S.36). Teilweise erreichte der Gastarbeiteranteil in einzelnen Betrieben über 80 % der Belegschaft, die mit Hungerlöhnen in dieser Industrie unter erheblichen Druck arbeiten musste (vgl. Barfuss, K. (1986), S.59)..
Ähnlich war die Situation der Landarbeiter aus Polen. Diese wurden schon im 19. Jahrhundert zu Erntearbeiten, hauptsächlich in Pommern und Mecklenburg, und im speziellen zur Rübenernte eingesetzt (vgl. Koch, H. (1970), S.22). Diese Arbeitskräfte wurden aber auf Druck des preußischen Innenministeriums jährlich gezwungen, eine "Karenzzeit" im Winter einzulegen und das Land zu verlassen (vgl. Barfuss, K. (1986), S.87). So konnte es nicht zu einer befürchteten "Verpolonisierung" kommen, um das böse Wort der preußischen Regierung zu benutzen.
Bis heute hat sich am Einsatz von Polen in der Landwirtschaft kaum etwas geändert. Die deutsche Landwirtschaft wäre ohne ihre billigen Arbeitskräfte aus Polen, die z.B. bei der Spargelernte in Westdeutschland eingesetzt werden, schon längst nicht mehr existenzfähig. Deutsche Arbeitnehmer lassen sich für die harte und schlecht bezahlte Arbeit nicht finden, oder sind einfach zu teuer.
Die erste Integration von "Gastarbeitern" in Deutschland fand mit Menschen polnischer Herkunft im Ruhrgebiet statt. Diese hatten zwar die preußisch-deutsche Staatsbürgerschaft, sprachen aber polnisch und kamen überwiegend aus dem besetzen polnischen Gebieten des Ostens. Mit der stürmischen Entwicklung des Bergbaus bei der Industrialisierung Deutschlands benötigten die Bergbaugesellschaften Arbeitskräfte in Massen. Da die handwerkliche Qualifikation der Arbeitskräfte keine Rolle spielte, boten sich die polnischen Arbeiter besonders wegen ihrer Muskelkraft an. Sie waren als Landarbeiter nicht ungeeignet.
Über 1,2 Millionen Ausländer (meist Osteuropäer) lebten 1910 im Deutschen Kaiserreich (vgl. Leitner, H. (1983), S.14).
Das Leben dieser ersten "Gastarbeiter" auf deutschem Boden war extrem. Schon für deutsche Arbeitnehmer war das Leben auf wenigen Quadratmetern in dunklen Hinterhäusern bei ungenügendem sozialen Schutz und Ausbeutung eine Qual. Diese Gastarbeiter mussten zu noch geringeren Löhnen teilweise in Zelten oder sehr einfachen Baracken campieren (vgl. ISIS-Verlag (1994), S.142).
Diese Arbeiter verrichteten die schwersten und dreckigsten Arbeiten in Deutschland.
Die polnischstämmigen Bergleute führten in den Städten des Ruhrgebietes ein bestimmtes Eigenleben bis in den 2. Weltkrieg hinein. Polnisch war im Ruhrgebiet eine wichtige Sprache. Ohne polnisch konnten die Volksschulabgänger nicht in bestimmten Läden arbeiten. Es gab sogar polnische Gottesdienste bis in den 2. Weltkrieg hinein, wo unter dem Hitlerregime ein größerer Druck zur "Verdeutschung" ausgeübt wurde.
Trotz der totalen Niederlage Deutschlands und der folgenden großen Armut gingen nur wenige nach dem Krieg in ihre Heimat zurück. Die meisten sahen nach 60-70 Jahren in Deutschland ihre Heimat (vgl. Herbert, U. (1986), S. 72 ff).
Während des zweiten Weltkriegs wurden dann Kriegsgefangene in Deutschland in öffentlich zivilen, privaten und militärischen Einrichtungen für Hungerlöhne und zu unmenschlichen Bedingungen zum Arbeiten gezwungen. Sehr viele überlebten diese Arbeiten nicht. Ohne den Einsatz der Zwangsarbeiter wäre Hitlers tausendjähriges Reich in den letzten Kriegsjahren rascher zusammengebrochen. W ährend der Weltkriege wurden diese Arbeiter als Fremdarbeiter bezeichnet, da sie zum Einsatz gezwungen waren. Zur Abgrenzung von diesem Fremdarbeiten wurden die Menschen aus dem Ausland in den Friedenszeiten als "Gastarbeiter" bezeichnet, was auch positiver klingt (vgl. Picardi-Montesardo, A. (1985), S.21). Lässt man Gäste für sich arbeiten?
Deutlich wird an diesem kurzen geschichtlichen Rückblick, dass ausländische Arbeitnehmer, ob als Gastarbeiter, Fremdarbeiter oder als Einwanderer, immer eine Rolle gespielt haben. Sie sind also bei weitem kein neues Phänomen nach dem 2. Weltkrieg. In allen Fällen der deutschen Gast- oder Fremdarbeitergeschichte wurden diese Menschen für die niedrigsten Tätigkeiten eingesetzt und ausgenutzt.
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