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Die ständige Völkerwanderung

   
 

Schon 1969 wagte der Europarat eine Prognose, die sich weitgehend bestätigt hat: "Wanderungsphänomene der arbeitenden Bevölkerung bilden in Gegenwart und Zukunft des wirtschaftlichen und sozialen Lebens Europas eine Konstante" (Zitiert aus : Koch, H. (1970), S.6).

Das wirtschaftliche Gefälle zwischen den Staaten der Europäischen Gemeinschaft und den Staaten an ihren Rändern wird sich nicht so schnell verringern. Der gemeinsame Binnenmarkt kann das Verhältnis zu EU-Außenseitern sogar noch verstärken. Der Zustrom von Menschen in die EU, und besonders in die reicheren nördlichen Länder, nimmt mit großer Wahrscheinlichkeit zu, wie ökonomische oder in Zukunft auch stärker ökologische Probleme in den südlicheren Ländern wachsen.

In den neunziger Jahren waren jährlich 100 Millionen Menschen weltweit unterwegs (vgl. Ockenfels, W. (1994), S. 15). Dabei verstecken sich in dieser Zahl Kriegs- oder Hungerflüchtlinge, politisch verfolgte und ökonomisch Notleidende.

Verschiedene Kategorien von Migration werden unterschieden (vgl. Schöneberg, U. (1992) S. 1 ff.). Die innere Migration ist die bekannte Stadt - Land - Flucht, die besonders in Schwellenländern und Dritte - Welt - Ländern verbreitet ist. Der zweite wichtige Migrationsgrund ist die Verfolgung. Über 90 Minderheiten suchen in sicheren Drittstaaten weltweit Schutz. Die Ost - West - Migration nach dem Zusammenbruch des Ostblocks ist ein weiterer wichtiger Migrationsfaktor.

Die bei weitem wichtigste Ursache der Migration in der Vergangenheit, und der nach allen Prognosen auch in der Zukunft, ist die ökologische und ökonomische Migration. Direkt vor der "Festung EU" leben Millionen von arbeitswilligen im Maghreb und im Nahen Osten. Bekommen Sie in ihrer Heimat keine Chance, dann versuchen Sie ihre Chance in der EU zu finden.

Deutschland befindet sich mitten in einer offenen und schwierigen Diskussion, wobei das Erbe der Geschichte der Verbrechen des 2. Weltkrieg auch eine Rolle spielt. Über 5 Mio. Ausländer leben in der Bundesrepublik bei etwa 80 Millionen Einwohnern. Diese Zahl ist im Vergleich zum europäischen Ausland recht hoch (vgl. Ockenfels, W. (1994), S.20). Die meisten Länder haben niedrigere Ausländerquoten. Viele weitere werden als Flüchtlinge oder aus Osteuropa als neue EU-Bürger zu uns kommen. Auch der neugeborene Gastarbeiter des 21. Jahrhunderts, der gut bezahlte Experte (meist im Informatikbereich), wird bei uns in ersten zaghaften Versuchen angeworben.

Dabei gibt es ein großes Dilemma, denn ohne Einwanderung wird die deutsche Bevölkerung in den nächsten Jahrzehnten kräftig Schrumpfen. Manche Demographen sehen sogar die Deutschen vom Aussterben bedroht.

Ohne eine Zuwanderung, oder mehr Nachwuchs, wird es in 30 - 40 Jahren einen massiven Druck auf die deutschen Sozialsysteme geben. Experten erwarten schon bis zum Jahr 2015 ein Arbeitskräftemangel von ca. 7 Millionen Menschen (vgl. Thelen, P. (2001), S.13).

Anderseits hat Deutschland jetzt schon eine hohe Zahl von Ausländern, die für einen Teil der Bevölkerung als Bedrohung wahrgenommen werden. Die auch in den Polizeistatistiken bewiesene Zunahme der gewalttätigen Form von Fremdenfeindlichkeit in den letzten Jahren, ist allerdings nicht nur auf eine hohe Zahl von Ausländern zurückzuführen, sondern eher auf ein komplexe soziologisches Problem (vgl. Handelsblatt vom 8.2.2001, S.2).

Deutschland und die EU stehen am Scheideweg eines uralten Problems: Der Frage mit dem Umgang mit Zuwanderung und Einbürgerung. Wie definiert sich der deutsche Staat im 21. Jahrhundert? Ist er ein Einwanderungsland? Empfängt er nur Flüchtlinge und harrt der Dinge, die auf seine schrumpfende Bevölkerung zu kommen?

Prinzipiell bestehen für die EU und Deutschland drei Möglichkeiten mit Strömen aus dem Ausland umzugehen:

Entweder man öffnet die Grenzen und lässt, alle die es wünschen, herein. Die Folgen dürften wahrscheinlich verheerend sein, denn es kommen somit auch sehr viele sozial schwache, die in ihrer Heimat kaum Chancen hatten. Eine deutliche Verarmung der gesamten Gesellschaft und eine Ghettobildung ist wahrscheinlich.

Die zweite extreme Lösung ist die Schließung aller Grenzen. Die totale Isolierung dürfte schon aus der mangelnden technischen Machbarkeit scheitern. Die EU-Grenzen sind niemals abzuschotten und mit der EU-Erweiterung nach Osten wird es, auch innerhalb der EU, zum Teil gewollte Migrationsströme geben.

Der goldene Mittelweg, die Steuerung des Stromes nach Deutschland und in die EU und die Milderung der Migrationsursachen, dürften der einzig erfolgversprechende Weg sein.

Die Ursachenbekämpfung kann natürlich nur begleitend helfen. Die EU wird nicht alle Probleme in den Schwellenländern lösen können. Die Steuerung des Zustroms ist sehr schwierig und die politische Elite, aber auch die Völker in Europa, müssen sich klar der Frage stellen, inwieweit Einwanderung möglich und nötig ist, ohne eine Belastung zu werden.

In dieser Arbeit möchte ich mich aus dem komplexen Problemzusammenhang Migration mit der Geschichte der ökonomischen Migration der Gastarbeiter nach Deutschland in der Zeit nach dem 2. Weltkrieges beschäftigen. Natürlich wiederholt sich Geschichte nicht einfach, aber es ist sicherlich einiges auch zu den aktuellen Fragen zu lernen.

Auch in Zukunft wird die Migration eine große Rolle spielen.

Welche Gruppen hatten ein Interesse daran, dass Gastarbeiter nach Deutschland kommen? Warum entsenden Länder überhaupt ihre Männer im besten Alter, damit sie in anderen Staaten ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen? Warum blieben die Gastarbeiter so lange und warum wurden sie nicht in die deutsche Bevölkerung integriert?

   
 
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